Hintergrund

Das Phänomen der terroristisch motivierten Ausreisen von jungen Männern und Frauen

Waren den deutschen Sicherheitsbehörden bis Ende Juli 2014 insgesamt 378 ausgereiste Personen bekannt, sind die Fallzahlen bis März 2015 auf ca. 650 Fälle gestiegen. Die Experten, nicht nur in Rheinland- Pfalz, sehen eine Tendenz zum Anstieg des Anteils der unter 20-Jährigen. 61% der ausgereisten Personen wurden in Deutschland geboren, 37% der Ausgereisten besitzen ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. In der Gruppe der Ausgereisten gelten 82% als Geburtsmuslime und 18% als Konvertiten. Es deutet einiges darauf hin, dass radikalisierte Gruppen eine junge Anhängerschaft haben.

Das Phänomen einer religiösen Radikalisierung am Beispiel eines fundamentalistischen Islams hat nach sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen offenbar mit biografischen Brüchen, mit Diskriminierungserfahrungen, Stigmatisierungen und Abwertungen zu tun, welche Menschen mit Zuwanderungshintergrund und dann auch speziell solche muslimischen Glaubens erfahren.

In Rheinland- Pfalz als einem Flächenland fehlen starke Migrantenselbstorganisationen, der Organisationsgrad junger Muslime in zivilgesellschaftlichen Organisationen allgemein ist eher unterdurchschnittlich. Unterstützungsstrukturen für die Bewältigung der besonderen biografischen Herausforderung, denen junge Muslime mit Migrationshintergrund gegenüberstehen, fehlen weitgehend.
Die offene Jugendarbeit, die hier präventiv wirken könnte, ist in Rheinland- Pfalz strukturell vergleichsweise schwach entwickelt und bedarf der zusätzlichen Unterstützung. Vergleichbares gilt für andere Institutionen der Erziehung und Bildung.